Autor: juliaweiglwagner

  • #lebensgeschichte – Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie

    #lebensgeschichte – Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie

    Interview mit Veronika Dräxler über ihren Kunstfilm „Femme sulfureuse“

    Die Künstlerin Veronika Dräxler lebt in Fürstenfeldbruck und Paris. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ist ihr Thema, dem sie auch in ihrem Film „Femme sulfureuse“ nachgeht. Diese sinnliche Recherche verfolgt die Lebensspuren der vergessenen französischen Präsidentengattin Henriette Poincaré. Die Ausstellung „Im Schatten der Marseillaise“ mit Film läuft in der Städtischen Galerie in Cham bis zum 8. Februar 2026.

    Wie sind Sie auf die Figur der Henriette Poincaré gestoßen?

    Henriette Poincaré (1858 – 1943) ist zu mir gekommen, nicht ich zu ihr. Heute befindet sich die Residenz der deutschen Gesandten in Paris im ehemaligen Wohnhaus der Familie Poincaré. Ich sprach mit der Gesandten über meine Arbeit. Daraufhin erzählte mir die Hausherrin von der Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie. Das hat mein Interesse geweckt. In einer ersten Recherche fand ich heraus, dass Henriette wegen ihres unkonventionellen Lebenswandels in der französischen Presse als „femme sulfureuse“ diffamiert wurde.    

    Was bedeutet für Sie der Begriff „Femme sulfureuse“?

    „Femme sulfureuse“ ist für mich ein historischer Kampfbegriff, um Frauen zu diskreditieren, die sich gängigen Moral- und Geschlechterordnungen widersetzen. Wenn ich den Begriff heute verwende, drehe ich ihn um. „Femme sulfureuse“ ist dann die selbstbewusste Figur der Verführerin, die Narrative verschiebt und Räume neu definiert. So tritt diese Figur in meinem Film vom Dunklen ins Helle.

    In meinen Arbeiten interessiert mich, wie weibliche Diplomatie funktioniert, lange bevor sie offiziell benannt wurde: in Körperhaltungen, in Kleidung, in Blicken. Die Verführerin ist dabei kein Klischee, sondern ein Werkzeug, um Machtmechanismen sichtbar zu machen. Henriette steht für das Emanzipatorische im politisch diplomatischen Raum.

    Wie nähern Sie sich als Künstlerin historischen Figuren?

    Jahreszahlen überlasse ich gerne den Historikerinnen. Mein Zugang läuft über Sinnlichkeit, Atmosphäre und die körperliche Erfahrung. Erst im Nachhinein werden Daten und Archivmaterial wichtig, um das, was ich intuitiv gespürt habe, theoretisch zu verankern und wissenschaftlich zu reflektieren.

    Als Künstlerin habe ich eine ganz andere Herangehensweise als etwa ein Historiker. Ich denke, dass beide Disziplinen voneinander profitieren können.

    Sie spielen im Film selbst die Rolle der Henriette Poincaré. Warum dieser Schritt in die Rolle?

    Ursprünglich wollte ich nur mit dem Haus als Schauplatz arbeiten. Doch ein Couture-Kleid von Taylor Wishneff aus Paris hat mich buchstäblich in die Figur hineingezogen. In dem Moment, in dem ich im ehemaligen Wohnhaus der Poincarés in diesem Kleid stand, verschob sich meine Wahrnehmung. Ich fühlte mich wie in einer neuen Haut, durch die ich Geschichte körperlich erfahren kann. Dann war klar, ich spiele Henriette.

    Danke für das Gespräch, Veronika Dräxler

    Das Gespräch führte Julia Weigl-Wagner

    Veronika Dräxler Veronika Dräxler (geb. 1986) ist eine deutsch-ecuadorianische, interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Performerin und Autorin, die in Fürstenfeldbruck und Paris lebt und arbeitet. Sie studierte Design in München und Ecuador sowie Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. In ihren Projekten erforscht sie Traumata, Erinnerung und Machtstrukturen im Spannungsfeld von Körper, Geschichte und Diplomatie. Dräxler promoviert an der Ecole Normale Superieure (ENS) in Paris. Ihr Thema: Femme Sulfureuse – Körper, Macht und Überschreitung: Henriette Poincaré und die weibliche Diplomatie in den deutsch-französischen Beziehungen.

    Foto: „Femme sulfureuse“ – Künstlerin Veronika Dräxler mit Prof. Ulrich Pfeil, Experte für deutsch-französische an der Université de Lorraine in Metz. (Foto Julia Weigl-Wagner

  • #cordonhaus – Kunst, Krieg und weibliche Diplomatie

    #cordonhaus – Kunst, Krieg und weibliche Diplomatie

    Wie die Künstlerin Veronika Dräxler den Marseillaise-Mythos und die Erinnerungskultur mit der Gewaltgeschichte Europas verknüpft ist noch bis zum 8. Februar 2026 in der Städtischen Galerie Cordonhaus in Cham zu sehen. Ihr Forschungs- und Filmprojekt „Femme sulfureuse“ – „Die dämonisierte Frau“ handelt von Körper, Macht, Geschlecht, Frieden, Krieg, Diplomatie und den deutsch-französischen Beziehungen. In der Ausstellung „Im Schatten der Marseillaise“ stellt die Künstlerin die historischen Figuren Henriette Poincaré und Nikolaus von Luckner gegenüber. 

    Dem gebürtigen Chamer Offizier Nikolaus Graf von Luckner wurde einst die Marseillaise gewidmet. Der deutsche Offizier war Marschall von Frankreich. Als er 1793 seine Pension einfordert, wird er als Royalist denunziert und mit der Guillotine enthauptet. Im Armeemuseum in Paris findet Veronika Dräxler den reich verzierten Marschallstab des Militärs. In ihrer filmischen Collage über die Verehrung Luckners in Cham zeigt sie unter anderem, wie ein deutscher und ein französischer General, das Herrschaftszeichen des Marschalls aus der Vitrine nehmen und als Symbol ihrer Freundschaft verehren.

    Wie sich Wissenschaft und Kunst beflügeln

    „Wir brauchen die deutsch-französischen Beziehungen heute noch mehr als vor einigen Jahren, um den Frieden in Europa zu sichern“, sagt Ulrich Pfeil bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Der Professor für Deutschlandstudien an der Université de Lorraine in Metz ist Experte für die deutsch-französischen Beziehungen. Veronika Dräxler promoviert an der École normale superiore im PhD-Programm SACRe (Sciences, Arts, Création, Recherche). Ihr Ansatz zeigt exemplarisch wie sich Wissenschaft und Kunst beflügeln können.

    Der Geist von Henriette

    „Femme sulfureuse – Körper Macht und Überschreitung: Henriette Poincaré und die weibliche Diplomatie in den deutsch-französischen Beziehungen“ lautet Dräxlers Forschungsthema, das sie aus vielen Perspektiven ausleuchtet. Im Mittelpunkt steht Henriette Poincaré, die ehemalige französische Präsidentengattin, die in „Femme sufureuse“ aus dem Dunklen ins Helle tritt. Suchend bewegt sich die Kamera im Halbdunkel des herrschaftlichen Palais an der 26, Rue Marbeau, der heutigen Deutschen Botschaft in Paris und letztem Wohnort der Henriette Poincaré (1858 – 1943). Als würde ein Geist durch die Räume schweben, ein unsichtbarer Körper in einem bodenlangen Kleid mit zerschlissenem Saum …

    Weibliche Diplomatie

    Veronika Dräxler selbst schlüpft in die Rolle der früheren Bewohnerin. Indem sie barfuß auf dem kalten Marmor die Treppen hinauf- und hinuntersteigt, ihre Hände über das Messinggeländer gleiten und ihre Fingernägel am Schnitzwerk der Möbel kratzen, erscheint Henriette Poincaré in einem neuen Licht. Im Palais der Deutschen Botschaft in Paris verwandelt Dräxler die dämonisierte Frau in die personifizierte Diplomatie. Von der Presse wegen ihrer unkonventionellen Lebenseinstellung denunziert, spielte Henriette während des Ersten Weltkriegs eine wichtige diplomatische Rolle, nicht auf dem politischen Parkett, sondern in ihren Salons, in denen die gesellschaftlichen Eliten verkehrten.

    Die Geschichte der Gewalt

    In der Ausstellung treten historische Dokumente mit dem Portrait von Luckner, ein Pandurensäbel und ein verkohlter Balken aus dem Chamer Rathaus in einen Dialog mit den weiblich konnotierten Filmsequenzen und Tapisserien. So wird sichtbar, wie eng Kriegsstrategien, brutale Kriegslieder wie die Marseillaise und lokale Erinnerungskultur miteinander verwoben sind.

    Ein besonderes Exponat ist ein Gemälde von Veronika Dräxler, das den Marschallstab Luckners im Kontext der kriegerischen Assoziationen der Künstlerin zeigt. Angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine verschränkt sich die Geschichte der Gewalt mit der Gegenwart.

    Vielen Dank, Anjalie Chaubal für die Kooperation in der Pressearbeit.

    Foto: Veronika Dräxler mit ihrem Gemälde von Luckners Marschallstab (Foto: Julia Weigl-Wagner)

  • #cordonhaus – Adventliches Funkeln mit Tiefgang

    #cordonhaus – Adventliches Funkeln mit Tiefgang

    Schon beim Betreten der Städtischen Galerie Cordonhaus liegt ein feiner Duft von Fichtenadeln in der Luft. Spiegelglasreste glitzern wie eingefrorene Regentropfen und reflektieren das Licht. Die Künstler Torsten Mühlbach und Gregor Passens verwandeln Recycling-Material in Poesie. Sie zeigen die fragile Schönheit der Natur.

    „Raindrops keep falling on my head“

    Jahrzehnte nach der Gründung des Club of Rome, der sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt, verkündete B. J. Thomas Mitte der 70er Jahre in seinem Welthit „Raindrops keep falling on my head“ eine musikalische Glücksformel. Weitere 50 Jahre später – die Erderwärmung steigt – gestalten zwei Künstler in raumgreifenden Installationen Werke, die wirken.

    Spielerisch, spiegelnd, poetisch

    Torsten Mühlbach und Gregor Passens arbeiten seit 2021 zusammen. Sie sind bekannt für ihren spielerischen Umgang mit bereits verwendetem Material – bislang vor allem Spiegelglasreste und Keramik. In der Städtischen Galerie Cordonhaus kommen nun auch Reste aus dem Weihnachtsbaumverkauf hinzu. Zeitgleich zeigt das Duo am Eingang des Münchner Tollwood-Festivals eine aus Spiegelfragmenten zusammengesetzte, sechs Meter hohe Friedenstaube.

    Innehalten erleben

    Die Arbeiten der beiden Künstler sind voller Ästhetik, Poesie und künstlerischer Tiefe. Sie rufen beim Publikum ebenso Entschleunigung hervor wie die Beschäftigung mit der Idee dahinter. Ressourcenverantwortung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit – das sind die Themen, die das Duo bewegen.

    Ein Kaktus verbindet

    Ein Highlight der Ausstellung sind Gerüste in der Form des Westernkaktus (Carnegiea gigantea), bestückt mit Fichten- und Tannenresten. Der Kaktus zeigt, ebenso wie der Nadelbaum, die weltumspannende Beziehung der existenziellen Ressource Wasser. Europas Wälder speichern Wasser genauso wie die Kakteen in den Wüsten Südkaliforniens und Mexikos. In der Ausstellung „Raindrops keep falling on my head“ wird diese Verbindung zum Sinnbild für global verstandenen Umweltschutz.

    Wassertropfen aus Spiegeln

    Im zweiten Raum füllt ein schimmernder Schleier aus hängenden Spiegelresten den Raum. Sie erinnern an fallende Regentropfen – und spiegeln zugleich jede Besucherin und jeden Besucher zurück. Die Botschaft: Wir sind Teil dieser Welt, wir gehören zur Natur, und wir tragen Verantwortung für sie.

    Über die Künstler

    Gregor Passens (geb. 1974 in Berchtesgaden) und Thorsten Mühlbach (geb. 1974 in Torgau/Sachsen) studierten Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Beide sind vielfach ausgezeichnet und in Ausstellungen sowie Kunst-am-Bau-Projekten vertreten.

    Meinen Pressetext zur Ausstellung finden Sie hier. Danke an Anjalie Chaubal, Leiterin der Städtischen Galerie Cordonhaus, und Simone Seifert, Kuratorin dieser Ausstellung, für die gute Zusammenarbeit.

    Ausstellung bis 18. Januar 2026

    Fotos: Renate Gütersloh, Julia Weigl-Wagner

  • #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    Für Margretha, Johanna, Sophia … diesen Frauen widmet Katharina Cibulka ihr Mahnmal an der weltberühmten Steinernen Brücke in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg. Subtil und filigran fordert diese Skulptur das Selbstbestimmungsrecht jeder Frau ein. Zugleich schlägt Cibulka damit eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. (Vgl. EMMA 6/25, S.8)

    Viele kennen ihre feministische Kunst: in Pink gestickte Botschaften an Baugerüsten mit Sätzen wie: „Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feministin.“ – Katharina Cibulkas Regensburger Mahnmal verweist auf die Wasserstrafen, die an der Steinernen Brücke bis um 1600 vollzogen wurden. Frauen, die ihr Kind nicht austragen wollten oder konnten, wurden damals auf grausame Weise ertränkt und hingerichtet.

    Bei ihren Recherchen stieß Cibulka auf eine irritierende Parallele: Entlang des Donauufers dienen Rettungsstangen heute dazu, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Wasserstrafen – Rettungsstangen: Aus dieser Spannung heraus entwickelte sie ein eindringliches Symbol. Sie verwandelt die moderne Rettungsstange in ein hybrides Objekt, das auf illegale Schwangerschaftsabbrüche verweist – ein Ende ähnelt einer Stricknadel, das andere formt den Haken eines Kleiderbügels. Cibulkas Objekt steht für die lebensbedrohliche Realität, wenn sichere medizinische Versorgung verwehrt wird und Schwangere in die Illegalität gedrängt werden.

    Entstanden im Rahmen eines donumenta-Artist-in-Residence-Aufenthalts, ermöglichte eine Gemeinschaft von Unterstützer*innen auf Initiative des KunstKnoten e.V. die dauerhafte Installation der Skulptur.

    Foto: Stefan Effenhauser
    Pressearbeit: Julia Weigl-Wagner

  • #kulturwissen – Bühne mit Biene

    #kulturwissen – Bühne mit Biene

    Wieder eine Entdeckung in der hundertjährigen Turnhalle des TV 1875 Burglengenfeld: Während ich vor einigen Wochen die Schlange registrierte, die sich um das charakteristische Eichenlaub-Dekor um den Bühnenraum windet, sichtete ich jetzt eine Biene.

    Genau im gegenüberliegenden Stuck-Segment der Girlande versteckt sich – weiß in weiß – eine herrlich plastisch gearbeitete Biene. Symbolisch steht sie für Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung. Sie gilt als wehrhaft und durchsetzungsstark. Im Ägypten der Antike symbolisiert die Biene Weisheit, Unsterblichkeit und Wohlstand. So erscheint das Insekt in der hundertjährigen Turnhalle eher als Ergänzung der Schlange auf der gegenüberliegenden Seite als ihr Widerpart. Ähnlich wie die Schlange war die Biene in den 20er Jahren beliebtes gestalterisches Motiv. Die Symbolwelt rund um Turnen, Sport und Bewegung wurde reicher.

  • #kulturwissen – Wie kommt die Schlange in die hundertjährige Turnhalle?

    #kulturwissen – Wie kommt die Schlange in die hundertjährige Turnhalle?

    Der Bühnenraum in der Turnhalle des TV 1875 Burglengenfeld ist das Herzstück des hundertjährigen Bauwerks. Mich interessiert das girlandenförmige Dekor, das den Bühnenraum umrahmt. Zwischen Turnerwappen und Eichenlaub entdecke ich eine Schlange – sie passt so gar nicht zur Symbolwelt der Turnerbewegung.

    Der Bau der Turnhalle zu Beginn des 20. Jahrhunderts war für die Männer in der Stadtgesellschaft ein wichtiger Akt. Karl Weiß, Bauunternehmer am Ort, wurde der Vorsitzende des Bauausschusses. Josef Kellerer, Gastwirt und Grundstücksbesitzer, trat dem Verein ein Stück Land ab. Im Gegenzug sicherte er sich die Bewirtschaftung der Gaststätte in der Turnhalle. Wirtshaus, Bühne, großer Saal – dafür legten sich die Mitglieder des Turnvereins eigenhändig ins Zeug, schaufelten die Baugrube, mauerten, feierten Richtfest und schließlich Einweihung. Die Schirmherrschaft des Festes übernahm Dr.-Ing. Wilhelm Brans, damals Direktor des Zementwerks in Burglengenfeld, und spendete dem Verein Geld.

    Kreisbaumeister Edmund Glatzl fertigte den Plan für die Turnhalle, und sicher hatte er für die Umrahmung des Bühnenraums eine gewisse gestalterische Vorstellung. Die Symbole der nationalistischen Turnerbewegung in der Nachfolge ihres Begründers Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) waren die vier F für Frisch, Fromm, Fröhlich und Frei sowie Eichenlaub als Symbol für Stärke, Männlichkeit und Disziplin. Ich kann mir kaum vorstellen, dass im Auftrag an den Stuckateur formuliert worden war, eine Schlange möge sich um das Eichenlaub winden.

    In der Kunst und Architektur der 20er-Jahren setzte die Schlange moderne Akzente. Sie stand für Transformation, Exotik, Eleganz, Luxus und Verführung. Als Symbol des Weiblichen steht die Schlange für Fruchtbarkeit, Sexualität, Heilkunst. – Die erste TV-Damenriege turnte 1923 unter der Übungsleitung des Schneidermeisters Albert Karl. Vielleicht setzten sich die 15 weiblichen Mitglieder beim Turnhallenbau mit der Schlange ein Denkmal. Wer Näheres weiß, melde sich bitte. DANKE!

  • #lebensgeschichten – Marc Taschowsky zwischen Graffity und Ölmalerei

    #lebensgeschichten – Marc Taschowsky zwischen Graffity und Ölmalerei

    Angefangen hat alles mit Graffitiy und Street Art. An der Hochschule für Bildende Künste kam die Ölmalerei dazu. Die poppigen Großformate von Marc Taschowsky messen zwei auf zwei Meter und mehr. Unter ihrer Oberfläche verbergen sich viele Schichten aus Farbe und Figur. Oft dauert es fünf oder sechs Jahre, bis zum Schlussfirnis, der letzten schützenden Schicht.

    Marc Taschowsky nennt sich Zweitverwerter. Seine Arbeiten zeigen Szenen und Figuren, zusammengesetzt aus Ikonen der Popkultur, Star Wars, der Welt des Walt Disneys, aus Trickfilm, Mode- und Konsumwelt, in der das kleinste achtlos zu Boden geworfene Papierchen eine seit Generationen gültige Botschaft in sich trägt: „Kaufe!“

    Dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, in der stets neue Bildwelten entstehen, begegnet der in Berlin lebende Künstler mit der Langsamkeit der Ölmalerei. Da sitzt eine Comic-Figur nicht nur einmal Modell. In einer zweiten Sitzung überlagert sie sich selbst oder sie wird übermalt. Dann bleiben ihre Augen stehen, neues Rosa kommt hinzu, Wasser und Fische aus „Findet Nemo“ für die surreale Szene, in der die Froschkönigin ein weißes Plüschkrokodil hinter sich herzieht – Bildtitel: „Die Froschkönigin“.

    Häufig entscheidet der Künstler erst nach fünf oder sechs Jahren: „Jetzt ist das Bild fertig.“ Dieser Prozes des Übermalens ist charakteristisch für Marc Taschowsky.

    Unter diesem Link finden Sie meinen Pressetext für die Ausstellung „Vom Leben und Daneben: Michael Königer – Marc Taschowsky“ noch bis zum 23. November 2025 in der Städtischen Galerie Cordonhaus, Cham. Danke Galerieleiterin Anjalie Chaubal für die gute Zusammenarbeit.

  • #lebensgeschichten – Louise Lang bläst Glas

    #lebensgeschichten – Louise Lang bläst Glas

    „Louise Lang hat im Badehaus eingeheizt“, sagt Axel T. Schmidt zur Begrüßung. Mit ihrem mobilen Schmelzofen schuf die Glaskünstlerin unzählige Blasen, die – genial arrangiert – sprudelndes, stehendes und an den Rand platschendes Wasser nachahmen.

    Arbeitsschritt für Arbeitsschritt fertigte Louise Lang die zerbrechlichen Bubbles, lies sie auskühlen und trug Blase für Blase in das Becken des als Kunst- und Ausstellungsort umgenutzten Badehauses Maiersreuth. Jetzt sieht es aus, als flute jemand über zwei Schwallwasserhähne das geflieste Bassin. Unter den Zuläufen sprudelt das Wasser, das gegenüber an die Beckenwand platscht und zu den Seiten hin ausläuft.

    Die Faszination Glas begleitet Louise Lang (*1993 in Tegernsee) seit ihren frühen Jahren. „Alles aus Glas war unendlich wertvoll für mich“, erzählt die Künstlerin im Gespräch mit Wilma Rapf-Karikari am 11. Oktober im Badehaus. Glasmacherin werden – Louise setze alles daran, eine Ausbildung in der Glasfachschule in Zwiesel beginnen zu können. Schließlich überzeugte sie den Schulleiter von ihrer Eignung.

    Wird sie in einem Männerberuf, der viel körperliche Kraft erfordert, reüssieren? Für Louise Lang, aufgewachsen mit drei Brüdern im Bayerischen Wald, stellt sich die Frage erst gar sich. Sie macht einfach. Sie bläst Glas. Zwischen 2009 und 2012 absolviert sie die an der Glasfachschule Zwiesel die Glasmacherlehre. Es folgen zwei Jahre Weiberwalz durch Glasstudios in 22 Ländern auf vier Kontinenten.

    Louise Lang fasziniert die Demut in der Arbeit in japanischen Glashütten, genauso wie der Umgang mit dem Scheitern. Jedes Land lehrt andere Fähigkeiten im Umgang mit der vielseitigen Technik des Glasblasens, den Farben, Formen, Zusammensetzungen des Materials, der Brechung des Lichts.

    Nach der Weiberwalz ist Louise Lang mit so gut wie allen Techniken des Glasmachens vertraut. So gestärkt bewirbt sie sich an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig für den Fachbereich Freie Kunst. Sie studiert bei Thomas Rentmeister, Asta Gröting und Björn Dahlem. 2022 wird sie Rentmeisters Meisterschülerin.

    Louise Langs Ausstellungsliste ist eine Liste großartiger Ereignisse – Installationen, Einzelausstellungen mit Glasobjekten sowie Gruppenausstellungen. Kooperationen sind wichtig, klar. Darunter ist eine ganz besondere. Es ist die Zusammenarbeit mit der Berliner Glaskünstlerin Veronika Beckh. Die beiden Frauen verstehen sich blind und ohne Worte. Am Schmelzofen ist das wichtig. „Glasmachen ist Teamarbeit“, verrät Veronika Beck, auch ihre Arbeiten sind noch bis zum 26. Oktober 2025, samstags und sonntags jeweils zwischen 11 und 17 Uhr im Badehaus Maiersreuth zu sehen. Außerdem sind Mad C und Margot Luf in der genannten Ausstellung vertreten. Sie heißt „THE OTHER TOUCH••••GLAS••••“

  • #lebensgeschichten – „Andrea lebte nur drei Tage“

    #lebensgeschichten – „Andrea lebte nur drei Tage“

    Vor einem Vierteljahrhundert erlebte ich die kürzeste Schreibzeit für ein dickes Buch . Unter dem Titel „So war’s – Regensburg 2000“ sollte ein großformatiger Bildband an unzählige Veranstaltungen, Kunstausstellungen, Konzerte, Weinproben und Sportevents erinnern. Ich ließ Andrea, Studentin aus Hamburg, über das große Regensburgjahr 2000 staunen und erzählen. Ihre Begeisterung über die Stadt, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit gehört, sollte sie in Briefen, Postkarten, Tagebucheinträgen und E-Mails so richtig ausleben können.
    Also schlüpfte ich, damals 36, in die Rolle der 21jährigen Studentin Andrea. Drei Tage lang schrieb ich als wäre ich sie. Es entstand ein schweres Buch, das ich gerade wieder entdeckte.

    Das Zeitdokument gibt es in den einschlägigen Internet-Antiquariaten.

    Mittelbayerische Zeitung im Oktober 2000, Text: Marianne Sperb

    Weigl, Julia u.a.: So war’s – Regensburg 2000, bebildert, Hg.: Stadt Regensburg, 2000

  • #lebensgeschichten – Nachbar und Kollege überm Berg

    #lebensgeschichten – Nachbar und Kollege überm Berg

    Das Kapitel „Nachbar und Kollege überm Berg“ in meiner Max-Bresele Biografie handelt von der Künstlerfreundschaft zwischen Heiko Herrmann und Max. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Pertolzhofen Uckersdorf – Heiko Herrmann und Max Bresele – Objekte und Malerei“ in Adlmannstein las ich daraus. Fein kuratiert zeigt die Schau in Garten, Schaulager und Galerie, wie verbunden die beiden Künstler in ihren Werken sind.

    Ausstellung bis zum 12. Oktober 2025, jeweils sonntags zwischen 14.00 und 17.00 und nach Vereinbarung bei info@kunstpartner.eu, KUNSTPARTNER – Schaulager und Galerie, Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler, Alterthanner Straße 1, 93170 Adlmannstein.

    Weigl-Wagner, Julia: Idyllenstörer Max Bresele
    hrsg. v. Kunstverein Weiden e.V., 2025
    104 Seiten mit Abbildungen
    als Paperback, 14,99 Euro (ISBN 978-3-00081-665-9)
    und E-Book 7,99 Euro (ISBN 978-3-384-53366-1)

    Beitragsfoto: Justus Fabi