Kategorie: Kulturwissen

  • #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    Für Margretha, Johanna, Sophia … diesen Frauen widmet Katharina Cibulka ihr Mahnmal an der weltberühmten Steinernen Brücke in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg. Subtil und filigran fordert diese Skulptur das Selbstbestimmungsrecht jeder Frau ein. Zugleich schlägt Cibulka damit eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. (Vgl. EMMA 6/25, S.8)

    Viele kennen ihre feministische Kunst: in Pink gestickte Botschaften an Baugerüsten mit Sätzen wie: „Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feministin.“ – Katharina Cibulkas Regensburger Mahnmal verweist auf die Wasserstrafen, die an der Steinernen Brücke bis um 1600 vollzogen wurden. Frauen, die ihr Kind nicht austragen wollten oder konnten, wurden damals auf grausame Weise ertränkt und hingerichtet.

    Bei ihren Recherchen stieß Cibulka auf eine irritierende Parallele: Entlang des Donauufers dienen Rettungsstangen heute dazu, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Wasserstrafen – Rettungsstangen: Aus dieser Spannung heraus entwickelte sie ein eindringliches Symbol. Sie verwandelt die moderne Rettungsstange in ein hybrides Objekt, das auf illegale Schwangerschaftsabbrüche verweist – ein Ende ähnelt einer Stricknadel, das andere formt den Haken eines Kleiderbügels. Cibulkas Objekt steht für die lebensbedrohliche Realität, wenn sichere medizinische Versorgung verwehrt wird und Schwangere in die Illegalität gedrängt werden.

    Entstanden im Rahmen eines donumenta-Artist-in-Residence-Aufenthalts, ermöglichte eine Gemeinschaft von Unterstützer*innen auf Initiative des KunstKnoten e.V. die dauerhafte Installation der Skulptur.

    Foto: Stefan Effenhauser
    Pressearbeit: Julia Weigl-Wagner

  • #kulturwissen – Bühne mit Biene

    #kulturwissen – Bühne mit Biene

    Wieder eine Entdeckung in der hundertjährigen Turnhalle des TV 1875 Burglengenfeld: Während ich vor einigen Wochen die Schlange registrierte, die sich um das charakteristische Eichenlaub-Dekor um den Bühnenraum windet, sichtete ich jetzt eine Biene.

    Genau im gegenüberliegenden Stuck-Segment der Girlande versteckt sich – weiß in weiß – eine herrlich plastisch gearbeitete Biene. Symbolisch steht sie für Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung. Sie gilt als wehrhaft und durchsetzungsstark. Im Ägypten der Antike symbolisiert die Biene Weisheit, Unsterblichkeit und Wohlstand. So erscheint das Insekt in der hundertjährigen Turnhalle eher als Ergänzung der Schlange auf der gegenüberliegenden Seite als ihr Widerpart. Ähnlich wie die Schlange war die Biene in den 20er Jahren beliebtes gestalterisches Motiv. Die Symbolwelt rund um Turnen, Sport und Bewegung wurde reicher.

  • #kulturwissen – Wie kommt die Schlange in die hundertjährige Turnhalle?

    #kulturwissen – Wie kommt die Schlange in die hundertjährige Turnhalle?

    Der Bühnenraum in der Turnhalle des TV 1875 Burglengenfeld ist das Herzstück des hundertjährigen Bauwerks. Mich interessiert das girlandenförmige Dekor, das den Bühnenraum umrahmt. Zwischen Turnerwappen und Eichenlaub entdecke ich eine Schlange – sie passt so gar nicht zur Symbolwelt der Turnerbewegung.

    Der Bau der Turnhalle zu Beginn des 20. Jahrhunderts war für die Männer in der Stadtgesellschaft ein wichtiger Akt. Karl Weiß, Bauunternehmer am Ort, wurde der Vorsitzende des Bauausschusses. Josef Kellerer, Gastwirt und Grundstücksbesitzer, trat dem Verein ein Stück Land ab. Im Gegenzug sicherte er sich die Bewirtschaftung der Gaststätte in der Turnhalle. Wirtshaus, Bühne, großer Saal – dafür legten sich die Mitglieder des Turnvereins eigenhändig ins Zeug, schaufelten die Baugrube, mauerten, feierten Richtfest und schließlich Einweihung. Die Schirmherrschaft des Festes übernahm Dr.-Ing. Wilhelm Brans, damals Direktor des Zementwerks in Burglengenfeld, und spendete dem Verein Geld.

    Kreisbaumeister Edmund Glatzl fertigte den Plan für die Turnhalle, und sicher hatte er für die Umrahmung des Bühnenraums eine gewisse gestalterische Vorstellung. Die Symbole der nationalistischen Turnerbewegung in der Nachfolge ihres Begründers Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) waren die vier F für Frisch, Fromm, Fröhlich und Frei sowie Eichenlaub als Symbol für Stärke, Männlichkeit und Disziplin. Ich kann mir kaum vorstellen, dass im Auftrag an den Stuckateur formuliert worden war, eine Schlange möge sich um das Eichenlaub winden.

    In der Kunst und Architektur der 20er-Jahren setzte die Schlange moderne Akzente. Sie stand für Transformation, Exotik, Eleganz, Luxus und Verführung. Als Symbol des Weiblichen steht die Schlange für Fruchtbarkeit, Sexualität, Heilkunst. – Die erste TV-Damenriege turnte 1923 unter der Übungsleitung des Schneidermeisters Albert Karl. Vielleicht setzten sich die 15 weiblichen Mitglieder beim Turnhallenbau mit der Schlange ein Denkmal. Wer Näheres weiß, melde sich bitte. DANKE!