Schlagwort: donumenta

  • #donumenta – heißes Pflaster – brennende Wälder

    #donumenta – heißes Pflaster – brennende Wälder

    An den Scheiben des donumenta-Kunst-Kubus kleben und am Boden liegen Erinnerungen an frühere Zeiten. Postkartenidyllen rufen Urlaub, Ferien und Kindheit ins Gedächtnis. Sie zeigen Seen, grüne Wiesen und Flüsse – Bilder von Sommer und nicht enden wollender Tage vermitteln vermeintliche Unbeschwertheit. An den gleichen Scheiben wehen mit Kreuzstich bestickte Leintücher, bedruckt mit Fotografien verbrannter Wälder. In Rot auf Rauchschwarz heißt es da „Last Days“.

    Die Installation „Last Days“ des Münchner Künstlerduos Mauricio Hölzemann und Pierre-Yves Delannoy ist Teil des donumenta Projekts Climart – Artists for a Resilient Future. Sie ist noch bis Ende September am Vorplatz der Regensburg Arcaden zu sehen und entfaltet sich in mindestens zwei Bild- und Bedeutungsebenen:

    Das Werk von Mauricio Hölzemann und Pierre-Yves Delannoy spielt mit der Form des familiären Erinnerungsstücks. Die Leintücher erinnern an Bettwäsche, wie sie in Familien weitergegeben wird. Mit ihrer Stickerei greifen sie eine traditionelle, fast intime Bildsprache auf. Doch anstelle der typischen Monogramme erscheint der Titel des Werks selbst „Last Days“. Einmal erscheint er in einer verpixelten Schrift, die an ein „Game Over“ denken lässt, und gegenüber in einer romantisch anmutenden Disney-Schrift.

    Wie im Sommerwind bewegen sich die Tücher im Raum und wirken dabei zugleich verführerisch und unruhig. Sie rufen Assoziationen von Leichtigkeit, Luft und Sommer hervor und verweisen doch auf Hitze, Waldbrandgefahr und die fragile Zukunft unserer Landschaften. So verbindet „Last Days“ persönliche Erinnerung mit einer kollektiven Gegenwartserfahrung. Die Installation fragt, was verschwindet, was wir bewahren und welche Bilder von Natur, Verlust und Hoffnung wir an kommende Generationen weitergeben können.

    „Der Wald brennt und diese Postkartenidyllen stehen im Widerspruch dazu. Doch zeigt unsere Installation noch weitere Widersprüche. Der Ventilator schafft das romantische Bild der im Sommerwind wehenden Bettlaken, ein Luftzug, der den Waldbrand immer wieder von Neuem entfacht. – Und das alles auf dem heißen Platz hier vor der Shopping Mall, auf dem weit und breit kein einziger Baum zu sehen ist …“ Maurizio Hölzemann und Pierre-Yves Delannoy

    „Danke für diese großartig poetische Begegnung mit der Wirklichkeit, die uns in Form des Klimawandels bedroht.“ Regina Hellwig-Schmid, Kuratorin

  • #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    Für Margretha, Johanna, Sophia … diesen Frauen widmet Katharina Cibulka ihr Mahnmal an der weltberühmten Steinernen Brücke in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg. Subtil und filigran fordert diese Skulptur das Selbstbestimmungsrecht jeder Frau ein. Zugleich schlägt Cibulka damit eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. (Vgl. EMMA 6/25, S.8)

    Viele kennen ihre feministische Kunst: in Pink gestickte Botschaften an Baugerüsten mit Sätzen wie: „Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feministin.“ – Katharina Cibulkas Regensburger Mahnmal verweist auf die Wasserstrafen, die an der Steinernen Brücke bis um 1600 vollzogen wurden. Frauen, die ihr Kind nicht austragen wollten oder konnten, wurden damals auf grausame Weise ertränkt und hingerichtet.

    Bei ihren Recherchen stieß Cibulka auf eine irritierende Parallele: Entlang des Donauufers dienen Rettungsstangen heute dazu, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Wasserstrafen – Rettungsstangen: Aus dieser Spannung heraus entwickelte sie ein eindringliches Symbol. Sie verwandelt die moderne Rettungsstange in ein hybrides Objekt, das auf illegale Schwangerschaftsabbrüche verweist – ein Ende ähnelt einer Stricknadel, das andere formt den Haken eines Kleiderbügels. Cibulkas Objekt steht für die lebensbedrohliche Realität, wenn sichere medizinische Versorgung verwehrt wird und Schwangere in die Illegalität gedrängt werden.

    Entstanden im Rahmen eines donumenta-Artist-in-Residence-Aufenthalts, ermöglichte eine Gemeinschaft von Unterstützer*innen auf Initiative des KunstKnoten e.V. die dauerhafte Installation der Skulptur.

    Foto: Stefan Effenhauser
    Pressearbeit: Julia Weigl-Wagner