Kategorie: Kunst

  • #lebensgeschichten – Stroh zu Gold oder: Der Wert des Alltäglichen

    #lebensgeschichten – Stroh zu Gold oder: Der Wert des Alltäglichen

    Der Blick fällt durch die Glastür in die profanierte Minoritenkirche im Historischen Museum Regensburg. Myriaden von Halmen schimmern goldgelb im Licht dieses Sonntags Ende März: „Stroh zu Gold“ ist eine Installation von Regina Hellwig-Schmid – zu sehen bis 17. Mai 2026.

    Im Innern der Kirche liegt der Geruch gedroschenen Strohs. Zwischen vier tragenden Säulen erhebt sich eine fünf Meter hohe, himmelstrebende Skulptur. Erst bei näherem Hinsehen werden einzelne vergoldete Halme sichtbar, deren Reflexe die überwältigende Ansammlung von kurzen und langen Stängeln zum Leuchten bringen.

    Künstlerin kuratiert Dialog

    Die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid hat dieses bewegende Bild ersonnen. Seine besondere Spannung bezieht das Werk aus der Präsentation des scheinbar Wertlosen in der sakralen Architektur der historischen Klosterkirche. Zwischen ideeller und materieller Verheißung changierend, kuratiert die Künstlerin mit jeder Handvoll Stroh und jedem einzelnen aufwändig vergoldeten Halm den weitreichenden Dialog über zentrale Begriffe unseres Daseins. Mit „Stroh zu Gold“ visualisiert Regina Hellwig-Schmid ihr Lebensthema. Sie eröffnet Gespräche über Wert, Reichtum und die Sinnhaftigkeit menschlichen Strebens.

    Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung Ende März verknüpft Prof. Dr. Christiane Heibach, Professorin für Medienästhetik an der Universität Regensburg, die Arbeit von Regina Hellwig-Schmid mit dem „Rumpelstilzchen“ der Gebrüder Grimm. Im Märchen behauptet der Müller, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, damit der König sie zur Frau nehme.

    Das Rumpelstilzchen – Eine Analyse

    Heibachs Analyse arbeitet die unterschiedlichen Wertesysteme im Märchen heraus. Macht, Gier, Lüge und Manipulation seien in diesem Zusammenhang die wesentlichen Koordinaten – und Dummheit. Die Wissenschaftlerin fragt sich, was das für ein König sei, „der sich gar nicht wundert, warum der Müller so arm ist, obwohl seine Tochter Stroh zu Gold spinnen kann.“ Sie erinnert daran, dass Märchen nie von der Vergangenheit erzählen, sondern stets von der Gegenwart, in der sie abgerufen werden. Die Wertesysteme im Märchen prallen aufeinander und zerbrechen. Der Tauschhandel – Materielles gegen Liebe, gesponnenes Gold gegen das erstgeborene Kind der Königin gewordenen Müllerstochter – geht nicht auf. „Ach wie gut, dass niemand weiß …“: Rumpelstilzchen ist sich seiner Sache allzu sicher und rechnet nicht damit, dass es sich verrät und damit den Handel untergräbt. Doch genau das geschieht. Aus Wut über sich selbst reißt es sich mitten entzwei. 

    Christiane Heibach: Kunstwerk sucht Verbindung

    Auch wenn das Motiv „Stroh zu Gold“ dem Märchen entlehnt ist, steckt in der übergroßen Pyramide aus Stroh eine andere Wahrheit. Während sich die Verwandlung von Stroh zu Gold in der Nacherzählung der Gebrüder Grimm „schnurr, schnurr“ innerhalb kürzester Zeit vollzieht, um die unstillbare Gier des Königs zu bedienen, spricht aus der Arbeit von Regina Hellwig-Schmid die Intensität von Arbeit, Geduld und Zuwendung. Die Künstlerin nähert die Wertesysteme des Materiellen ebenso wie des Emotionalen in der unendlichen Beschäftigung mit dem Material und der sparsamen Setzung der aufwändig mit Blattgold umhüllten Halme einander an. Im unteren Teil der Strohpyramide befinden sich nur wenige goldene Halme, oben sind es mehr. In fünf Metern Höhe sind sie kaum erreichbar, aber sie existieren.

    Regina Hellwig-Schmid schafft Werte, „auch wenn es unendlich viel Arbeit macht“. Die Künstlerin wisse, dass sie es nie schafft, „den ganzen Strohhaufen zu verwandeln“ resümiert Prof. Dr. Christiane Heibach. So gelingt die Annäherung von Wertlosem und Wertvollem: „Das Gold verschmilzt mit dem Stroh“ zu einer großartigen Verbindung. Im Kunstwerk wird das scheinbar Alltägliche aufgewertet – und der Blick auf die Wirklichkeit verändert sich.  

    Hier finden Sie meinen Pressetext zur Ausstellung mit Informationen zum Begleitprogramm. – Ich danke der Künstlerin Regina Hellwig-Schmid und der Stadt Regensburg für die Zusammenarbeit. 

    PRESSEMITTEILUNG
    mit der freundlichen Bitte um Veröffentlichung

    Stroh zu Gold: Wert – Reichtum – Sinn

    Rauminstallation und Performances der Regensburger Kulturpreisträgerin Regina Hellwig-Schmid in der Minoritenkirche

    REGENSBURG.Was macht eine Sache wertvoll? Ist es das Material, die Arbeit, die darin steckt oder der Wert, den wir ihr zuschreiben. „Stroh zu Gold“ nennt die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid ihre Rauminstallation in der Minoritenkirche im Historischen Museum. Sie wird am 29. März mit einer Performance der Künstlerin eröffnet.

    Im Inneren der Regensburger Minoritenkirche leuchtet es golden. Es riecht nach Stroh. Die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid verwandelt Stroh zu Gold. Im sakralen Raum changiert ihr Werk zwischen ideeller und materieller Verheißung. In Installation und Performance hinterfragt sie Wert, Reichtum und Sinn. Hellwig-Schmid eröffnet so einen weitreichenden Dialog.

    Während der Laufzeit der Ausstellung (30. März bis 17. Mai 2026, Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10:00 bis 16:00 Uhr) finden jeweils an den Sonntagen Gespräche statt, die den wirtschaftlichen, ernährungsbezogenen, kunsthistorischen, philosophischen, religiösen und mythischen Kontext ausleuchten.

    Was ist wertvoll?
    Besucherinnen und Besucher erwartet eine überwältigende Skulptur aus Stroh. Wer genau hinschaut, erkennt einzelne goldene Halme. – Stroh ist ein weitgehend wertloses Nebenprodukt aus der Landwirtschaft. Gleichzeitig präsentieren sich Teile der Installation von Regina Hellwig-Schmid als eines der wertvollsten und begehrenswertesten Materialien – Gold. Während die Krisen und Kriege rund um den Erdball bedrohlich näher rücken, schießt der Goldpreis durch die Decke. Doch was macht seinen Wert aus? Was ist wertvoll? Hat nicht König Midas im antiken Epos die Ambivalenz des Goldes eindrucksvoll vorgeführt? Oder Rumpelstilzchen im Grimm’schen Märchen?

    Der Schatz der Bettelmönche
    Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Regina Hellwig-Schmid mit dem vielgestaltigen Thema „Stroh zu Gold“. Im Museum der Arbeit in Hamburg zeigte sie 2006 eine Schatztruhe, aus der statt Gold Stroh quoll. Jetzt gewinnt das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an Dimension und Sinnhaftigkeit. Im sakralen Raum der ehemaligen Bettelordenskirche der Minoriten bewegt sich die Bildsprache der Künstlerin zwischen materieller und ideeller Verheißung.

    Lebensthema der Künstlerin
    „Stroh zu Gold“ avancierte zum Lebensthema der Künstlerin, wurde zur Allegorie für das eigene Tun. Stroh steht für Ernte, Nahrung und Überleben, für Arbeit und Kreisläufe, für das Fundament menschlicher Kultur. Gold hingegen symbolisiert Macht, Transzendenz, Reichtum und göttliche Verheißung. „Gerade im Aufeinandertreffen beider Materialien wird sichtbar, dass Wert keine feste Größe ist, sondern eine Zuschreibung – ein kultureller, sozialer und ökonomischer Akt“, sagt Regina Hellwig-Schmid über ihre raumgreifende Installation aus Milliarden von Halmen. Ein Teil davon vergoldet.

    Regina Hellwig-Schmid – Vita
    Regina Hellwig-Schmid ist Künstlerin und Kuratorin. In den vergangenen Jahren überzeugte sie mit Ausstellungen (Auswahl) im Frauenmuseum Bonn, im Museum der Arbeit in Hamburg, bei den Kunstsammlungen Bistum Regensburg oder beim Europaparlament in Brüssel. Bis Ende Dezember 2025 war die von Regina Hellwig-Schmid co-kuratierte Ausstellung „Sheroes – Heldinnen“ (Positionen aus Südosteuropa) im Frauenmuseum in Bonn zu sehen. Regina Hellwig-Schmid lebt und arbeitet in Regensburg. Sie ist Präsidentin des Künstlerverbunds im Haus der Kunst München e.V. sowie Gründerin des KunstKnoten e.V. und des donumenta e.V. für zeitgenössische Kunst. Hellwig-Schmid wurde mit dem Kulturpreis Bayern und dem Kulturpreis der Stadt Regensburg geehrt. Sie ist ausgezeichnet mit dem Preis Frau Europas der Europäischen Bewegung Deutschlands 2004 und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

    Sonntagsgespräche über Bedeutung und Wert

    „stroh zu gold“ berührt zahlreiche Sinnzusammenhänge. Ernährung, Existenz und Wert sind nur einige davon. Während der Laufzeit der Ausstellungen finden in der Minoritenkirche des Historischen Museums in Regensburg jeweils um 11.00 Uhr Gespräche statt. Referentinnen und Referenten geben Impulse für weiterführende Sonntagsgespräche – an einem Tisch.

    • Peter Geiger beginnt am Ostersonntag, den 5. April 2026 mit der Frage Was ist wertvoll – das Gold oder die Geschichten, die wir ihm zuschreiben?
    • Dr. Maria Baumann, Museumsleiterin und Diözesankonservatorin beim Bistum Regensburg, umreißt am 12. April 2026 das Thema Gold in der Kunst – Zeichen des Göttlichen.
    • Monika Reinecker vom Gut Aukofen bei Mintrachingspricht am 19. April 2026 über den Zusammenhang von Brot, Ernte, Leben – Ursprung allen Reichtums.
    • Susanne Niemannbringt am 26. April 2026 Psychologische Aspekte – Wert, Anerkennung und Selbstbild ins Gespräch.
    • Dr. Birgit Angerer, Kreisheimatpflegerin im Landkreis Schwandorf,konzentriert sich am 3. Mai 2026 auf Ethnologische Aspekte – Stroh im Alltag
    • Nach Gold und Glaube – Verheißung oder Versuchung? fragt am 10. Mai 2026 Hans Simon-Pelanda
    • Rumpelstilzchen – das Märchen steht bei Julia Weigl-Wagner am 17. Mai 2026 auf dem Programm.

    Fotos:

    „Stroh zu Gold“: Für ihre Installation bearbeitete Regina Hellwig-Schmid gewöhnliches Stroh. (Fotos: Dominik Hupf)

  • #cordonhaus – Kunst „spielend“ entdecken

    #cordonhaus – Kunst „spielend“ entdecken

    Ein Haus wird zum Donut, Farben beginnen zu tanzen. Die Ausstellung „spielend“ bringt den Frühling ins Cordonhaus.

    Die Malerin Petra Amerell und der Bildhauer Christian Heß verwandeln die Städtische Galerie Cordonhaus in Cham in eine Oase voller Farbe, Humor und Entdeckungen. Kuratiert von Anjalie Chaubal eröffnet die Ausstellung ab dem 8. März 2026 neue Perspektiven auf Farbe und Form.

    Bereits im Hof empfängt eine große Skulptur von Christian Heß das Publikum. Kraftvoll markiert sie den Eingang zum Kulturort. Im Inneren begegnen sich Amerells Malerei und die Skulpturen von Heß. Sie sprechen miteinander. Klare Farben, bewegte Formen und spielerische Anspielungen bringen frühlingshafte Leichtigkeit in die historischen Räume.

    Ein Profil und seine Transformationen

    Der Bildhauer Christian Heß arbeitet mit Beton und Gips und greift dabei etwa die einfache Grundform eines Hauses auf. Doch erfährt diese Form eine überraschende Transformation. So verwandelt sich ein Haus in einen Donut, die Silhouette des Wendelsteins zieht sich in die Länge. Die Arbeiten von Christian Heß verschieben vertraute Proportionen und öffnen den Blick für neue Zusammenhänge.

    Abstrakte Erzählungen

    Auch Petra Amerells Malerei lebt vom Experiment. Ihre Bilder entstehen prozesshaft, aus der Lust am Ausprobieren. Farben treten in Beziehung, verändern sich, beginnen zu schwingen. „Dann tanze ich so lange mit dem Bild, bis es fertig ist“, sagt die Künstlerin. Ihre Bilder sind starke abstrakte Erzählungen. Sie erinnern Besucherinnen und Besucher an irgendetwas. Finden Sie heraus, an was.

    Rikscha zur Kunst

    Zur Finissage am 3. Mai wartet noch eine besondere Perspektive auf das Publikum: Christian Heß chauffiert Besucherinnen und Besucher in einer Art Rikscha durch die Ausstellung. Während die Werke vorbeiziehen, entsteht ein ungewohnter Blick auf die Kunst – fast wie auf eine Landschaft.

    Genau hierin liegt der Zauber dieser Ausstellung: Kunst verliert jede Schwere. Formen dürfen sich verwandeln, Farben dürfen tanzen – und der Frühling spielt einfach mit.

    Fotos: Julia Weigl-Wagner

    Hier finden Sie meine Pressemitteilung für die Städtische Galerie Cordonhaus Cham.

  • #lebensgeschichten – Meine Biografien auf der Art Karlsruhe

    #lebensgeschichten – Meine Biografien auf der Art Karlsruhe

    Auf der Art Karlsruhe können Besucher*innen vom 5. – 8. Februar 2026 in zwei meiner Biografien schmökern. Kunstpartner aus Adlmannstein stellt in Halle 2, (Stand D11 / H2/D11) sein Schaulagerkonzept mit Werken von Susanne Böhm, Max Bresele und Margot Luf vor.

    Die Biografien „Idyllenstörer Max Bresele“ und „Margot Luf – Ein Sterntalerleben“ spüren den Lebensgeschichten von zwei außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeiten nach.

    Blick in das Kunstpartnerschaulager auf der Art Karlsruhe. (Fotos: Ingo Kübler)

  • #cordonhaus – Lola Montez und andere Verführungen

    #cordonhaus – Lola Montez und andere Verführungen

    Seit mehr als 60 Jahren sammelt der Bezirk Oberpfalz regionale Kunst. Mehr als 200 Werke präsentieren einen Querschnitt zeitgenössischer Positionen. Weil der Sammlungsort Kebbel Villa jetzt barrierefrei umgestaltet wird, geht die Kunst auf Reisen. Nächste Station ist die Städtische Galerie Cordonhaus Cham – vom 1. Februar bis zum 1. März.

    Mir ist es besonders wichtig, dass die Werke nicht statisch an einem Ort verweilen, sondern in der ganzen Oberpfalz zu sehen sind. Nur so können wir alle Menschen daran teilhaben lassen“, sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler. In dieser Ausstellung ziehen vor allem Frauen mit inhaltlich und handwerklich überraschenden Arbeiten ihren Blick auf Glaskunst, Installation und Malerei. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Neuankäufe mit Werken von Albert Braun, Katharina Gierlach, Louise Lang, Barbara Muhr, Alois Öllinger und Jasmin Schmidt.

    Auf den Spuren von Lola Montez

    Jedes Werk in der Ausstellung verführt auf seine Art, wie die drei Fotografien von Albert Braun (*1958 Vilseck) von 2018. Sie sind Teil einer konzeptionellen Arbeit und verweisen auf die Liebesbeziehung zwischen Lola Montez und Elias Peissner. Elias hatte – so die Überlieferung – Mitte des 19. Jahrhunderts als Jurastudent in München eine Affäre mit der Mätresse von König Ludwig I. Künstler Albert Braun spürte der Geschichte nach und fotografierte bei der Aufführung von Bernhard Setzweins Theaterstück „Lola und Elias“ 2018 in Vilseck. In seiner großformatigen Schwarz-Weiß-Serie gelingen Albert Braun anrührende Momente dieser Liebesgeschichte.

    Starke Kontraste – ausdrucksvoller Strich

    Realistisch, abstrakt, kraftvoll und kreatürlich setzt Barbara Muhr (*1988) ihre lebensgroßen Figuren auf die Leinwand. Muhrs Figuren weisen ebenso in die Welt des Allegorischen wie des zutiefst Menschlichen – schonungslos und expressiv. Die Regensburger Künstlerin ist Kunsterzieherin und Kunsthistorikerin. Virtuos ihr Spiel mit Figuren aus Geschichte und Gegenwart, ausdrucksvoll ihr Strich. Ihr Werk „Stillbirth“ zeigt den verdrehten Halbakt einer zurückblickenden Frau, auf deren Haut und darüber hinaus ein übergroßes Vogelgerippe projiziert wird – Pastell, Ölkreide und Acryl auf Leinwand. Der intensive Blick der Dargestellten zieht die Betrachtenden ins Vertrauen über ein Geheimnis.

    „SSV Jahn Regensburg“ titelt Katharina Gierlach (* 1983) ihre großformatige – live angefertigte – Perspektive auf das Jahnstadion in Regensburg von 2017. Der in starken Kontrasten ebenso pastose wie plastische Farbauftrag in Öl wurde zum Markenzeichen der in Winklarn geborenen und in Köln lebenden Künstlerin, die an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studierte. Dabei ist das Jahnstadion in Regensburg nicht das einzige Stadionportrait der fußballbegeisterten Künstlerin.

    Zwischen Form und Fläche

    „Im Gesamtwerk des Malers, Bildhauers und Aktionskünstlers Alois Öllinger hängt alles mit allem zusammen“, schreibt Anjalie Chaubal in einem früheren Katalogtext. Der Bezirk hat im letzten Jahr eine Ölmalerei des in Bad Kötzting lebenden Künstlers angekauft, die eine Schale in einem Innenraum darstellt. Ihre Bildarchitektur zielt auf Ruhe und Stabilität. Als plastisches Werk aus Polyester, Marmorstaub und Gold sowie Sinnbild für Harmonie und Ausgewogenheit taucht die Schale wiederholt in der Bilderwelt Öllingers auf. 

    Jasmin Schmidt (*1981) wandert zwischen den Welten. Sie lebt in Flossenbürg, studierte Afrikanistik in Bayreuth und freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Wie viele ihrer Arbeiten gibt auch ihr „Buntes Band“, eine Papierarbeit mit Kasein von 2022, Rätsel auf. Barockes Dekor bekommt im Spiel der Künstlerin eine neue Bedeutung. Die Papierarbeit ist Teil von Schmidts Installation „Display OPF“. Neben „Buntes Band“ werden hier noch weitere Werke in einem Regalsystem aus den 1960er Jahren präsentiert. 

    Umdeutung und Neubewertung ist auch das Bestreben der Glaskünstlerin Louise Lang (*1993). „Bruchwelle“ nennt sie ihre Anordnung aus gebrochenem ofengeblasenem Glas. Die Transparenz des Materials beruhigt. Selbst seine Zerstörung an den Oberkanten der Hohlkörper tut dem keinen Abbruch. Ohne Fehler und Brüche kein Glas, weiß die Glasmacherin aus Gleißenberg. Sie hat sowohl eine handwerkliche Ausbildung an der Glasfachschule Zwiesel als auch eine akademische an der Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig abgeschlossen. In der Städtischen Galerie Cordonhaus Cham war sie bereits 2015 mit einer umfangreichen Werkschau zu sehen.

    Begleitprogramm:

    Sonntag, 8. Februar 2026, 15:00 Uhr

    Künstler*innengespräch

    Die Neuankäufe der Sammlung des Bezirks Oberpfalz hautnah: Die Kunstschaffenden präsentieren ihre Werke und geben persönliche Einblicke.

    Beitragsbild:

    LOLA + ELIAS 

    2018 
    Fotografie: Albert Braun 
    Digitaldruck auf synthetischem Gewebe 
    150 x 100 cm

    Hier finden Sie meine Pressemitteilung für die Städtische Galerie Cordonhaus Cham. Danke für die Zusammenarbeit.

    https://www.cham.de/kultur-freizeit/galerien-museen/staedt-galerie-cordonhaus/presse/kunst-auf-reisen

  • #lebensgeschichten – Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie

    #lebensgeschichten – Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie

    Interview mit Veronika Dräxler über ihren Kunstfilm „Femme sulfureuse“

    Die Künstlerin Veronika Dräxler lebt in Fürstenfeldbruck und Paris. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ist ihr Thema, dem sie auch in ihrem Film „Femme sulfureuse“ nachgeht. Diese sinnliche Recherche verfolgt die Lebensspuren der vergessenen französischen Präsidentengattin Henriette Poincaré. Die Ausstellung „Im Schatten der Marseillaise“ mit Film läuft in der Städtischen Galerie in Cham bis zum 8. Februar 2026.

    Wie sind Sie auf die Figur der Henriette Poincaré gestoßen?

    Henriette Poincaré (1858 – 1943) ist zu mir gekommen, nicht ich zu ihr. Heute befindet sich die Residenz der deutschen Gesandten in Paris im ehemaligen Wohnhaus der Familie Poincaré. Ich sprach mit der Gesandten über meine Arbeit. Daraufhin erzählte mir die Hausherrin von der Première Dame aus bayerisch-italienischer Familie. Das hat mein Interesse geweckt. In einer ersten Recherche fand ich heraus, dass Henriette wegen ihres unkonventionellen Lebenswandels in der französischen Presse als „femme sulfureuse“ diffamiert wurde.    

    Was bedeutet für Sie der Begriff „Femme sulfureuse“?

    „Femme sulfureuse“ ist für mich ein historischer Kampfbegriff, um Frauen zu diskreditieren, die sich gängigen Moral- und Geschlechterordnungen widersetzen. Wenn ich den Begriff heute verwende, drehe ich ihn um. „Femme sulfureuse“ ist dann die selbstbewusste Figur der Verführerin, die Narrative verschiebt und Räume neu definiert. So tritt diese Figur in meinem Film vom Dunklen ins Helle.

    In meinen Arbeiten interessiert mich, wie weibliche Diplomatie funktioniert, lange bevor sie offiziell benannt wurde: in Körperhaltungen, in Kleidung, in Blicken. Die Verführerin ist dabei kein Klischee, sondern ein Werkzeug, um Machtmechanismen sichtbar zu machen. Henriette steht für das Emanzipatorische im politisch diplomatischen Raum.

    Wie nähern Sie sich als Künstlerin historischen Figuren?

    Jahreszahlen überlasse ich gerne den Historikerinnen. Mein Zugang läuft über Sinnlichkeit, Atmosphäre und die körperliche Erfahrung. Erst im Nachhinein werden Daten und Archivmaterial wichtig, um das, was ich intuitiv gespürt habe, theoretisch zu verankern und wissenschaftlich zu reflektieren.

    Als Künstlerin habe ich eine ganz andere Herangehensweise als etwa ein Historiker. Ich denke, dass beide Disziplinen voneinander profitieren können.

    Sie spielen im Film selbst die Rolle der Henriette Poincaré. Warum dieser Schritt in die Rolle?

    Ursprünglich wollte ich nur mit dem Haus als Schauplatz arbeiten. Doch ein Couture-Kleid von Taylor Wishneff aus Paris hat mich buchstäblich in die Figur hineingezogen. In dem Moment, in dem ich im ehemaligen Wohnhaus der Poincarés in diesem Kleid stand, verschob sich meine Wahrnehmung. Ich fühlte mich wie in einer neuen Haut, durch die ich Geschichte körperlich erfahren kann. Dann war klar, ich spiele Henriette.

    Danke für das Gespräch, Veronika Dräxler

    Das Gespräch führte Julia Weigl-Wagner

    Veronika Dräxler Veronika Dräxler (geb. 1986) ist eine deutsch-ecuadorianische, interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Performerin und Autorin, die in Fürstenfeldbruck und Paris lebt und arbeitet. Sie studierte Design in München und Ecuador sowie Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. In ihren Projekten erforscht sie Traumata, Erinnerung und Machtstrukturen im Spannungsfeld von Körper, Geschichte und Diplomatie. Dräxler promoviert an der Ecole Normale Superieure (ENS) in Paris. Ihr Thema: Femme Sulfureuse – Körper, Macht und Überschreitung: Henriette Poincaré und die weibliche Diplomatie in den deutsch-französischen Beziehungen.

    Foto: „Femme sulfureuse“ – Künstlerin Veronika Dräxler mit Prof. Ulrich Pfeil, Experte für deutsch-französische an der Université de Lorraine in Metz. (Foto Julia Weigl-Wagner

  • #cordonhaus – Kunst, Krieg und weibliche Diplomatie

    #cordonhaus – Kunst, Krieg und weibliche Diplomatie

    Wie die Künstlerin Veronika Dräxler den Marseillaise-Mythos und die Erinnerungskultur mit der Gewaltgeschichte Europas verknüpft ist noch bis zum 8. Februar 2026 in der Städtischen Galerie Cordonhaus in Cham zu sehen. Ihr Forschungs- und Filmprojekt „Femme sulfureuse“ – „Die dämonisierte Frau“ handelt von Körper, Macht, Geschlecht, Frieden, Krieg, Diplomatie und den deutsch-französischen Beziehungen. In der Ausstellung „Im Schatten der Marseillaise“ stellt die Künstlerin die historischen Figuren Henriette Poincaré und Nikolaus von Luckner gegenüber. 

    Dem gebürtigen Chamer Offizier Nikolaus Graf von Luckner wurde einst die Marseillaise gewidmet. Der deutsche Offizier war Marschall von Frankreich. Als er 1793 seine Pension einfordert, wird er als Royalist denunziert und mit der Guillotine enthauptet. Im Armeemuseum in Paris findet Veronika Dräxler den reich verzierten Marschallstab des Militärs. In ihrer filmischen Collage über die Verehrung Luckners in Cham zeigt sie unter anderem, wie ein deutscher und ein französischer General, das Herrschaftszeichen des Marschalls aus der Vitrine nehmen und als Symbol ihrer Freundschaft verehren.

    Wie sich Wissenschaft und Kunst beflügeln

    „Wir brauchen die deutsch-französischen Beziehungen heute noch mehr als vor einigen Jahren, um den Frieden in Europa zu sichern“, sagt Ulrich Pfeil bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Der Professor für Deutschlandstudien an der Université de Lorraine in Metz ist Experte für die deutsch-französischen Beziehungen. Veronika Dräxler promoviert an der École normale superiore im PhD-Programm SACRe (Sciences, Arts, Création, Recherche). Ihr Ansatz zeigt exemplarisch wie sich Wissenschaft und Kunst beflügeln können.

    Der Geist von Henriette

    „Femme sulfureuse – Körper Macht und Überschreitung: Henriette Poincaré und die weibliche Diplomatie in den deutsch-französischen Beziehungen“ lautet Dräxlers Forschungsthema, das sie aus vielen Perspektiven ausleuchtet. Im Mittelpunkt steht Henriette Poincaré, die ehemalige französische Präsidentengattin, die in „Femme sufureuse“ aus dem Dunklen ins Helle tritt. Suchend bewegt sich die Kamera im Halbdunkel des herrschaftlichen Palais an der 26, Rue Marbeau, der heutigen Deutschen Botschaft in Paris und letztem Wohnort der Henriette Poincaré (1858 – 1943). Als würde ein Geist durch die Räume schweben, ein unsichtbarer Körper in einem bodenlangen Kleid mit zerschlissenem Saum …

    Weibliche Diplomatie

    Veronika Dräxler selbst schlüpft in die Rolle der früheren Bewohnerin. Indem sie barfuß auf dem kalten Marmor die Treppen hinauf- und hinuntersteigt, ihre Hände über das Messinggeländer gleiten und ihre Fingernägel am Schnitzwerk der Möbel kratzen, erscheint Henriette Poincaré in einem neuen Licht. Im Palais der Deutschen Botschaft in Paris verwandelt Dräxler die dämonisierte Frau in die personifizierte Diplomatie. Von der Presse wegen ihrer unkonventionellen Lebenseinstellung denunziert, spielte Henriette während des Ersten Weltkriegs eine wichtige diplomatische Rolle, nicht auf dem politischen Parkett, sondern in ihren Salons, in denen die gesellschaftlichen Eliten verkehrten.

    Die Geschichte der Gewalt

    In der Ausstellung treten historische Dokumente mit dem Portrait von Luckner, ein Pandurensäbel und ein verkohlter Balken aus dem Chamer Rathaus in einen Dialog mit den weiblich konnotierten Filmsequenzen und Tapisserien. So wird sichtbar, wie eng Kriegsstrategien, brutale Kriegslieder wie die Marseillaise und lokale Erinnerungskultur miteinander verwoben sind.

    Ein besonderes Exponat ist ein Gemälde von Veronika Dräxler, das den Marschallstab Luckners im Kontext der kriegerischen Assoziationen der Künstlerin zeigt. Angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine verschränkt sich die Geschichte der Gewalt mit der Gegenwart.

    Vielen Dank, Anjalie Chaubal für die Kooperation in der Pressearbeit.

    Foto: Veronika Dräxler mit ihrem Gemälde von Luckners Marschallstab (Foto: Julia Weigl-Wagner)

  • #cordonhaus – Adventliches Funkeln mit Tiefgang

    #cordonhaus – Adventliches Funkeln mit Tiefgang

    Schon beim Betreten der Städtischen Galerie Cordonhaus liegt ein feiner Duft von Fichtenadeln in der Luft. Spiegelglasreste glitzern wie eingefrorene Regentropfen und reflektieren das Licht. Die Künstler Torsten Mühlbach und Gregor Passens verwandeln Recycling-Material in Poesie. Sie zeigen die fragile Schönheit der Natur.

    „Raindrops keep falling on my head“

    Jahrzehnte nach der Gründung des Club of Rome, der sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt, verkündete B. J. Thomas Mitte der 70er Jahre in seinem Welthit „Raindrops keep falling on my head“ eine musikalische Glücksformel. Weitere 50 Jahre später – die Erderwärmung steigt – gestalten zwei Künstler in raumgreifenden Installationen Werke, die wirken.

    Spielerisch, spiegelnd, poetisch

    Torsten Mühlbach und Gregor Passens arbeiten seit 2021 zusammen. Sie sind bekannt für ihren spielerischen Umgang mit bereits verwendetem Material – bislang vor allem Spiegelglasreste und Keramik. In der Städtischen Galerie Cordonhaus kommen nun auch Reste aus dem Weihnachtsbaumverkauf hinzu. Zeitgleich zeigt das Duo am Eingang des Münchner Tollwood-Festivals eine aus Spiegelfragmenten zusammengesetzte, sechs Meter hohe Friedenstaube.

    Innehalten erleben

    Die Arbeiten der beiden Künstler sind voller Ästhetik, Poesie und künstlerischer Tiefe. Sie rufen beim Publikum ebenso Entschleunigung hervor wie die Beschäftigung mit der Idee dahinter. Ressourcenverantwortung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit – das sind die Themen, die das Duo bewegen.

    Ein Kaktus verbindet

    Ein Highlight der Ausstellung sind Gerüste in der Form des Westernkaktus (Carnegiea gigantea), bestückt mit Fichten- und Tannenresten. Der Kaktus zeigt, ebenso wie der Nadelbaum, die weltumspannende Beziehung der existenziellen Ressource Wasser. Europas Wälder speichern Wasser genauso wie die Kakteen in den Wüsten Südkaliforniens und Mexikos. In der Ausstellung „Raindrops keep falling on my head“ wird diese Verbindung zum Sinnbild für global verstandenen Umweltschutz.

    Wassertropfen aus Spiegeln

    Im zweiten Raum füllt ein schimmernder Schleier aus hängenden Spiegelresten den Raum. Sie erinnern an fallende Regentropfen – und spiegeln zugleich jede Besucherin und jeden Besucher zurück. Die Botschaft: Wir sind Teil dieser Welt, wir gehören zur Natur, und wir tragen Verantwortung für sie.

    Über die Künstler

    Gregor Passens (geb. 1974 in Berchtesgaden) und Thorsten Mühlbach (geb. 1974 in Torgau/Sachsen) studierten Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Beide sind vielfach ausgezeichnet und in Ausstellungen sowie Kunst-am-Bau-Projekten vertreten.

    Meinen Pressetext zur Ausstellung finden Sie hier. Danke an Anjalie Chaubal, Leiterin der Städtischen Galerie Cordonhaus, und Simone Seifert, Kuratorin dieser Ausstellung, für die gute Zusammenarbeit.

    Ausstellung bis 18. Januar 2026

    Fotos: Renate Gütersloh, Julia Weigl-Wagner

  • #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    #lebensgeschichten – feministisches Mahnmal für UNESCO Weltkulturerbestadt

    Für Margretha, Johanna, Sophia … diesen Frauen widmet Katharina Cibulka ihr Mahnmal an der weltberühmten Steinernen Brücke in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg. Subtil und filigran fordert diese Skulptur das Selbstbestimmungsrecht jeder Frau ein. Zugleich schlägt Cibulka damit eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. (Vgl. EMMA 6/25, S.8)

    Viele kennen ihre feministische Kunst: in Pink gestickte Botschaften an Baugerüsten mit Sätzen wie: „Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feministin.“ – Katharina Cibulkas Regensburger Mahnmal verweist auf die Wasserstrafen, die an der Steinernen Brücke bis um 1600 vollzogen wurden. Frauen, die ihr Kind nicht austragen wollten oder konnten, wurden damals auf grausame Weise ertränkt und hingerichtet.

    Bei ihren Recherchen stieß Cibulka auf eine irritierende Parallele: Entlang des Donauufers dienen Rettungsstangen heute dazu, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Wasserstrafen – Rettungsstangen: Aus dieser Spannung heraus entwickelte sie ein eindringliches Symbol. Sie verwandelt die moderne Rettungsstange in ein hybrides Objekt, das auf illegale Schwangerschaftsabbrüche verweist – ein Ende ähnelt einer Stricknadel, das andere formt den Haken eines Kleiderbügels. Cibulkas Objekt steht für die lebensbedrohliche Realität, wenn sichere medizinische Versorgung verwehrt wird und Schwangere in die Illegalität gedrängt werden.

    Entstanden im Rahmen eines donumenta-Artist-in-Residence-Aufenthalts, ermöglichte eine Gemeinschaft von Unterstützer*innen auf Initiative des KunstKnoten e.V. die dauerhafte Installation der Skulptur.

    Foto: Stefan Effenhauser
    Pressearbeit: Julia Weigl-Wagner

  • #lebensgeschichten – Marc Taschowsky zwischen Graffity und Ölmalerei

    #lebensgeschichten – Marc Taschowsky zwischen Graffity und Ölmalerei

    Angefangen hat alles mit Graffitiy und Street Art. An der Hochschule für Bildende Künste kam die Ölmalerei dazu. Die poppigen Großformate von Marc Taschowsky messen zwei auf zwei Meter und mehr. Unter ihrer Oberfläche verbergen sich viele Schichten aus Farbe und Figur. Oft dauert es fünf oder sechs Jahre, bis zum Schlussfirnis, der letzten schützenden Schicht.

    Marc Taschowsky nennt sich Zweitverwerter. Seine Arbeiten zeigen Szenen und Figuren, zusammengesetzt aus Ikonen der Popkultur, Star Wars, der Welt des Walt Disneys, aus Trickfilm, Mode- und Konsumwelt, in der das kleinste achtlos zu Boden geworfene Papierchen eine seit Generationen gültige Botschaft in sich trägt: „Kaufe!“

    Dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, in der stets neue Bildwelten entstehen, begegnet der in Berlin lebende Künstler mit der Langsamkeit der Ölmalerei. Da sitzt eine Comic-Figur nicht nur einmal Modell. In einer zweiten Sitzung überlagert sie sich selbst oder sie wird übermalt. Dann bleiben ihre Augen stehen, neues Rosa kommt hinzu, Wasser und Fische aus „Findet Nemo“ für die surreale Szene, in der die Froschkönigin ein weißes Plüschkrokodil hinter sich herzieht – Bildtitel: „Die Froschkönigin“.

    Häufig entscheidet der Künstler erst nach fünf oder sechs Jahren: „Jetzt ist das Bild fertig.“ Dieser Prozes des Übermalens ist charakteristisch für Marc Taschowsky.

    Unter diesem Link finden Sie meinen Pressetext für die Ausstellung „Vom Leben und Daneben: Michael Königer – Marc Taschowsky“ noch bis zum 23. November 2025 in der Städtischen Galerie Cordonhaus, Cham. Danke Galerieleiterin Anjalie Chaubal für die gute Zusammenarbeit.

  • #lebensgeschichten – „Andrea lebte nur drei Tage“

    #lebensgeschichten – „Andrea lebte nur drei Tage“

    Vor einem Vierteljahrhundert erlebte ich die kürzeste Schreibzeit für ein dickes Buch . Unter dem Titel „So war’s – Regensburg 2000“ sollte ein großformatiger Bildband an unzählige Veranstaltungen, Kunstausstellungen, Konzerte, Weinproben und Sportevents erinnern. Ich ließ Andrea, Studentin aus Hamburg, über das große Regensburgjahr 2000 staunen und erzählen. Ihre Begeisterung über die Stadt, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit gehört, sollte sie in Briefen, Postkarten, Tagebucheinträgen und E-Mails so richtig ausleben können.
    Also schlüpfte ich, damals 36, in die Rolle der 21jährigen Studentin Andrea. Drei Tage lang schrieb ich als wäre ich sie. Es entstand ein schweres Buch, das ich gerade wieder entdeckte.

    Das Zeitdokument gibt es in den einschlägigen Internet-Antiquariaten.

    Mittelbayerische Zeitung im Oktober 2000, Text: Marianne Sperb

    Weigl, Julia u.a.: So war’s – Regensburg 2000, bebildert, Hg.: Stadt Regensburg, 2000